Die
Ehrlichiose
Die Ehrlichiose (ANAPLASMOSE), eine durch Zecken übertragene
Infektionskrankheit bei Hunden in Deutschland.
Der
Quellenartikel wurde von Frau Gabriele Liebisch (ZECKLAB - Burgwedel) unter
Mitarbeit der Tierärztlichen Klinik in Isernhagen erstellt. Wir geben eine
Zusammenfassung der wichtigsten Fakten.
Schlagwörter: Monozytäre Ehrlichiose (CME) - Granulozytäre Ehrlichiose -Hund
- Norddeutschland
Zusammenfassung:
Zecken schließen die wichtigsten Vektoren von Krankheiten in Deutschland
ein. Ixodes ricinus stellt den Hauptvektor dar für die neu zum Vorschein
kommenden Erkrankungen (emerging diseases), wie die Lyme Borreliose, bei
Mensch und Tier. Jedoch werden durch Reisen in die Länder des
Mittelmeerbasins mit Hunden auch Zecken (R. sanguineus ) und
zeckenübertragene Infektionen häufig importiert.
Bei Routineuntersuchungen im Jahre 2003 fielen im Laboratorium von 28
erkrankten Hunden nach ihrer Rückkehr 8 als mit monozytärer Ehrlichiose
infiziert auf. Die Diagnose wurde gestellt durch den Nachweis von
Morulastadien von Ehrlichia canis in nach Giemsa gefärbten Blutausstrichen
und weiter durch die PCR und den IFT bestätigt.
Die Erreger einer in Deutschland neu hervortretenden Erkrankung ("emerging
disease") bei deutschen Hunden wurden gefunden, als für Lyme -Borreliose
verdächtige Hunde auf die Infektion mit Rickettsien untersucht wurden. Die
für die GCE charakteristischen Morulastadien von Anaplasma phagozytophilum
konnten in neutrophilen Granulozyten bei 3 erkrankten Hunden nachgewiesen
werden. Die Diagnose wurde mit Hilfe des IFT und der PCR bestätigt.
Charakteristische Symptome waren von Anbeginn Fieber für 3-5 Tage (40-41°C),
Anaemie und Thrombozytopenie. Bei den haematologischen
Laboratoriumsuntersuchungen war eine ausgeprägte Thrombozytopenie ein
wichtiger Indikator für eine Infektion mit Ehrlichia spec., der Anlaß für
weitere Untersuchungen gab.
Einleitung
Zecken stellen neben den Stechmücken weltweit die bedeutendsten Überträger
(Vektoren) von pathogenen Mikroorganismen dar. Das weite Spektrum der
übertragenen Pathogene reicht von den Viren, den Rickettsien, Bakterien und
Protozoen bis zu den Metazoen (Mikrofilarien). Auf Grund der für viele
Zeckenarten in warmen Ländern besonders günstigen ökologischen Bedingungen,
wie wir sie in vielen unserer südlichen Reiseländern finden, werden die
zeckenübertragenen Erkrankungen bei Mensch und Tier vorwiegend als
Reisekrankheiten angesehen (z.B. Babesiosen).
Jede der durch Zecken übertragenen Infektionen ist spezifisch für bestimmte
Zeckenarten. Auch bei Hunden reflektieren die Infektionen gewöhnlich das
Bild der Verbreitung der als Überträger geeigneten Zeckenarten. Jedoch hat
sich in unserer modernen Zeit mit zunehmender Reisetätigkeit und dem
Verbringen von infizierten Hunden in bisher nicht endemische Gebiete die
geographische Verbreitung zeckenübertragener Erkrankungen nicht nur bei
Hunden erweitert. Diese Erscheinung wird sehr wahrscheinlich auch durch die
gegenwärtig zunehmende Erwärmung in klimatisch gemäßigten Breiten beeinflußt,
die eine weitere Etablierung von Vektoren und Pathogenen außerhalb des
bekannten Verbreitungsgebietes ermöglicht.
Ein weiterer wesentlicher Faktor, dem unseres Erachtens eine große Bedeutung
zukommt, ist die Zunahme wissenschaftlicher Erkenntnisse über die lange Zeit
unterschätzte und nicht bekannte Verbreitung von auch in gemäßigten
Klimagebieten vorkommenden zeckenübertragenen Infektionen. So wurden fast
ein halbes Jahrhundert lang in Deutschland nur das Virus der FSME beim
Menschen und die Babesiose der Rinder durch Babesia divergens als wichtige
einheimische und durch Ixodes ricinus übertragene Infektionen angesehen. Es
stellte sich jedoch heraus, daß die in Europa am weitesten verbreitete und
häufigste Zeckenart Ixodes ricinus ein hohes Vektorpotential für mehrere
Erreger besitzt und auf Grund einer großen Anzahl befallener Wirtsarten
einer der geeignetsten Überträger von pathogenen Keimen ist (8). Dies wurde
bekannt, nachdem die zuerst 1981 in den USA beschriebene Lyme-Borreliose
durch Borrelia burgdorferi auch in Europa als weit verbreitet erkannt wurde.
Untersuchungen sprechen dafür, daß die Lyme-Borreliose offensichtlich sogar
von Europa ihren Ausgangspunkt genommen hat. Bis heute gibt es jedoch noch
Unsicherheiten und Zweifler in der Medizin und auch in der Veterinärmedizin,
die zumindest teilweise die Pathogenität von B. burgdorferi oder die
Erkrankung bestimmter Wirtsarten in Frage stellen. Nicht selten geschieht
dies auf Grund unvollkommener Kenntnis der Epidemiologie (Verwechslung von
Reservoirwirten mit Endwirten) der komplizierten Pathogenese und der
verschiedenartigen Verlaufsformen in Zusammenhang mit der schwierigen
Labordiagnostik...........
Daneben sind es in jüngster Zeit vor allem die Rickettsiosen, die
zunehmendes Interesse in der Medizin und Veterinärmedizin gefunden haben.
Bei Hunden sind hier in erster Linie die Ehrlichiosen zu nennen. Von diesen
war die canine monozytäre Ehrlichiose (CME) als durch die braune Hundezecke
(Rhipicephalus sanguineus) übertragene Urlaubserkrankung schon seit längerer
Zeit bekannt. Das Vorkommen und die weite Verbreitung der durch Ixodes
ricinus übertragenen caninen granulozytären Ehrlichiose (CGE) als
autochthone Infektion in Europa sowie die weite Verbreitung mit Ehrlichien
infizierter Zecken in Deutschland stellt jedoch eine weitgehend neue
Erkenntnis in der Medizin und Veterinärmedizin dar (5,11). In der
vorliegende Arbeit soll auf die während eigener diagnostischer
Untersuchungen in Norddeutschland erkannten Ehrlichiosen bei Hunden
aufmerksam gemacht werden........
Die Infektionen mit Rickettsien und Ehrlichien bei Hunden
........Durch Zecken übertragene Rickettsien sind obligat intrazellulär
lebende Parasiten, die sich bei den empfänglichen Wirten in Blutzellen bei
den Vektoren in Hämozyten), bei Überträgern und Wirten in Zellen des
Endothels des Darmes bzw. von Gefäßen finden und dort durch Teilung
vermehren. In diesem Zyklus werden die übertragenden Zecken selbst zu
Reservoiren, da sie zeitlebens und auch die folgenden Generationen in allen
Stadien infiziert bleiben können. Die Zecken werden daher als ursprüngliche
"Wirte" der Rickettsien angesehen. Erst während der Evolution und mit dem
Übergang zur hämatophagen Lebensweise der Zecken gelangten diese Rickettsien
in empfängliche Wirbeltierwirte, für die sie pathogen wurden. ....
Die Taxonomie der Rickettsien wurde erst jüngst reorganisiert (3). Dies
betrifft auch die in der Medizin und Veterinärmedizin wichtigen Familien und
Species Ehrlichia und Anaplasma. Die Nomenklatur der Krankheitsbezeichnungen
folgte diesen Umbenennungen noch nicht. Der Begriff der Ehrlichiose blieb
erhalten. So wird weiterhin der Erreger der caninen monozytären durch R.
sanguineus übertragenen Ehrlichiose (CME) als Ehrlichia canis bezeichnet.
Der Erreger der durch I. ricinus übertragenen caninen granulozytäre
Ehrlichiose (CGE) wurde jedoch u.a. auf Grund seiner genetischen
Verwandtschaft in Anaplasma phagocytophilum umbenannt. Dieser Erreger ist
identisch mit dem für die humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE), für die
Ehrlichiose der Wiederkäuer und der granulozytären Ehrlichiose der Pferde
(vorher E. equi genannt) verantwortlichen Pathogen.
Beiden Arten der Ehrlichien ist gemeinsam, daß sie in weißen Blutzellen
parasitieren, diese schädigen und zerstören. Der Zyklus der Ehrlichien bei
der Infektion von Blutzellen verläuft in drei Phasen......
Von 28 im Jahre 2003 auf sog. Reisekrankheiten untersuchten Hunden erwiesen
sich 8 als mit Ehrlichia canis infiziert. Mit Hilfe der PCR wurden die
Erreger bei 5 Hunden im Blut, bei 2 im Lymphknoten und bei einem im
Knochenmark nachgewiesen.
Die bislang in Deutschland beschriebenen Erkrankungsfälle an Ehrlichiose bei
Hunden wurden bisher in Zusammenhang mit Hunden gesehen, die sich die
Infektion nach Aufenthalt in südlichen Ländern ("tropische Panzytopenie der
Hunde") zugezogen hatten. Daher sind auch in deutschsprachigen Lehrbüchern
der Hundekrankheiten nur die durch den Erreger Ehrlichia canis verursachten
Erkrankungen als relevant beschrieben (4,12). Diese Ehrlichienspezies wird
durch die Zeckenart Rhipicephalus sanguineus ( braune Hundezecke, Tabelle 1
und Abb. 5) übertragen. Bei dieser dreiwirtigen Zeckenart, die in allen
Stadien vorwiegend an Haushunden parasitiert, sind die Larven, Nymphen und
Adulti infiziert.
Vorkommen bei Hunden in Deutschland
Aus
unseren eigenen diagnostischen Untersuchungen wurde in Übereinstimmung mit
anderen Berichten die Infektion mit E. canis in den vergangenen Jahren
wiederholt nur bei Hunden gefunden, die direkt aus dem Ausland (warmen
Klimagebieten), importiert worden waren oder dort einen Aufenthalt hatten.
Die Hunde hatten Aufenthalte vorwiegend in den Anrainerstaaten des
Mittelmeerbeckens auf dem europäischen, afrikanischen und asiatischen
Kontinent. Ein Teil von Erkrankungsfällen spiegelte in der Herkunft oder dem
Aufenthalt der Hunde auch gewisse Veränderungen im Beliebtheitsgrad der
Reiseländer wider, z.B. in jüngerer Zeit die Zunahme der Fälle aus der
Türkei. Die Verbreitung der Infektion erwies sich damit auch als
übereinstimmend mit dem natürlichen Verbreitungsraum von R. sanguineus.
Autochthone deutsche Infektion mit E. canis, an die in Zusammenhang mit der
Einschleppung und vorübergehenden Etablierung der braunen Hundezecke in
vielen Wohnungen und anderen Innenräumen nördli ch der Alpen zu denken ist,
sind uns bisher nicht bekannt geworden. Wir führen dies zurück auf die für
die Infektion notwendige Populationsdichte der Zecken als Reservoir und
Überträger sowie auf das Fehlen einer enzootischen Verbreitung infizierter
Hunde als Reservoir für E. canis.
Diagnose der caninen monozytären Ehrlichiose
Da
die Symptome der Ehrlichiose beim Hund in den klassischen Lehrbüchern der
Hundekrankheiten gut beschrieben sind soll hier vor allem die
differentialdiagnostische Labordiagnose beschrieben werden.
Einen starken Hinweis gibt der Vorbericht vom Aufenthalt oder der Herkunft
des Hundes aus einem Verbreitungsgebiet der braunen Hundezecke. Das
Auftreten von mehreren, über mehrere Tage anhaltenden Fieberschüben ( über
40 o C) ist ein wesentliches Symptom für die Ehrlichiose generell, dessen
Pathogenese sich aus der Vermehrung der Ehrlichien erklärt. Bei dem
entsprechenden Vorbericht wird dabei zunächst auch an die Babesiose gedacht
werden (Koinfektionen ! s. unten). Je nach der akut bis chronisch
verlaufenden Krankheit wurden staupeähnliche Symptome mit Nasen- und
Augenausfluß, Lymphknoten- und Milzschwellung, Inappetenz , Störungen des
ZNS, Ikterus und Ödeme beschrieben. Viele der Symptome sind unspezifisch. Da
Koinfektionen mit einer Reihe von anderen Erregern aus warmen Klimagebieten
nicht selten sind (z.B. mit Babesien und Leishmanien), erhebt sich bei
einigen in der Fachliteratur beschriebenen Symptomen (z. B. Hautsymptomen)
die Frage, ob diese Krankheitsfälle ätiologisch ausreichend ab geklärt
wurden. .......
Die Inkubationszeit, die bei experimentellen Infektionen mit dem Erscheinen
der Morulastadien im peripheren Blut gleichzusetzen ist, wird nach
experimentellen Infektionen mit 3-5 Tagen angegeben (10). ........
Die canine granulozytäre Ehrlichiose (CGE)
Die
canine granulozytäre Ehrlichiose ist eine der erst in jüngerer Zeit in ihrer
Bedeutung entdeckten durch Zecken übertragenen Infektionen , die in der
englischensprachlichen Fachliteratur gleich der Lyme-Borreliose den neu zum
Vorschein kommenden Krankheiten (" emerging diseases") zugerechnet wird. Die
inzwischen aus vielen europäischen Ländern auch bei Hunden bekannt gewordene
Infektion (Schweden, England, Frankreich, Belgien, Schweiz und Italien)
gehört dazu. Sie verdankt ihre weite Verbreitung der Ökologie und Biologie
ihres wichtigsten Überträgers und Reservoirs, der Schildzeckenart Ixodes
ricinus (Abb.6) Die Entdeckung der Infektion steht in engem Zusammenhang mit
der Erforschung der Lyme-Borreliose. Beide Pathogene, Borrelien und
Ehrlichien, werden durch die gleichen Zeckenarten übertragen. So wurde die
Infektion zuerst in den USA und später auch in Deutschland in der
Humanmedizin als Human Granulozytic Ehrlichiosis (HGE) beschrieben (6).
Erhöhte AK-Titer gegen Ehrlichia spec. wurden in 5-16% der Blutseren von
4332 Forstarbeitern in Baden -Würrtemberg gefunden (11). Das Vorkommen von
A. phagozytophilum in Zecken wurde bei der Untersuchung von 5424 im Freiland
gefangenen Larven, Nymphen und Adulti von I. ricinus bei 103 Zecken (=1.9%)
in 11 Untersuchungsgebieten mit Hilfe der PCR ermittelt (5). Obwohl
Erkrankungen von Menschen in Deutschland, die ätiologisch sicher auf HGE
zurückzuführen waren, bisher nur in einem aus Kansas/USA importierten Fall
bekannt wurden, wird das Infektionsrisiko für Deutschland auf Grund der o.
gen. Prävalenz des Erregers in Zecken als hoch eingeschätzt. Zudem ist
unbekannt, wie hoch der Anteil von Ko-Infektion mit Borrelien ist. Aus den
USA wird über akute Erkrankungen beim Menschen fast ausschließlich in den
Sommermonaten berichtet. 53 % der bisher von dort bekannten Patienten wurden
hospitalisiert, 5% starben (6).
Ätiologie
Die
Infektion wird in Deutschland durch den Stich von infizierten Zecken der
Schildzeckenart Ixodes ricinus übertragen. Daneben existieren vermutlich
noch andere Zeckenarten als Überträger zweiter Ordnung. Der Erreger wird
nach der neuen Taxonomie auf Grund genetischer und molekularbiologischer
Kriterien als Anaplasma phagozytophilum bezeichnet (3). Die Benennung der
Krankheit blieb bei der Ehrlichiose. Einmal an einem bakteriämischen Wirt
infizierte Zecken bleiben über alle Stadien infiziert. Die Erreger
persistieren in den Speicheldrüsen der Zecken und werden bei der nächsten
Blutaufnahme weiter gegeben.....
Vorkommen
Von
der Infektion sind Menschen, Haustiere und Wildtiere - d.h. alle Wirte von
Ixodes ricinus betroffen (8). Sie dürfte damit etwa eine ähnlich weite
Verbreitung wie Borrelia burgdorferi in Zecken finden. Die Erreger wurden in
Zecken auch auf Vögeln nachgewiesen. Systematische Untersuchungen zur
Verbreitung des Erregers in Deutschland liegen bisher nur in den Arbeiten
aus Baden-Würrtemberg vor (5,11).
Symptome
Die
Inkubationszeit wurde aus experimentellen Infektionen bekannt. Sie beträgt
ca. eine Woche und ist damit etwa mit der ersten Phase der Vermehrung des A.
phagozytophilum bis zum Morulastadium in den neutrophilen Granulozyten und
deren Zerstörung identisch. Die Körpertemperatur erhöht sich für 3 Tage auf
40-41°C, um danach wieder abzufallen. Danach kommt es zu wiederholten
Fieberschüben in Abständen von ca. 2-3 Wochen, die von unspezifischen
Symptomen, wie gestörtem Allgemeinbefinden, Inappetenz und Anorexie,
Lethargie sowie Depression begleitet werden. Insgesamt ähneln die Symptome
denen, die auch bei der CME angetroffen werden. In den von uns in
Norddeutschland beobachteten 3 Fällen gehörten hierzu Anämie, Icterus,
Spleno- und/oder Hepatomegalie, Vomitus und Dyspnoe. Fieber gehört eindeutig
zu den Symptomen der akuten Phase, ebenso zentralnervöse Störungen, die auf
Entzündung und Blutungen in den Hirnhäuten zurückzuführen sind. Akute und
chronische Verlaufsformen treten auf. Die subklinische Phase kann je nach
der Immunkompetenz des Wirtes mehrere Wochen andauern, um dann plötzlich
durch erneutes Fieber einen weiteren Krankheitsschub anzuzeigen. Diese gehen
regelmäßig mit einer Thromzytopenie einher, die man geradezu als Indikator
ansehen kann. Mehrere Patienten wurden auf Grund ihrer während der
Erkrankung aufgetretenen Thrombozytopenie als Verdachtsfälle für Ehrlichiose
erkannt und anschließend durch Nachweis der Morulastadien von Ehrlichien in
Granulozyten im peripheren Blutausstrich und/oder mit Hilfe der PCR und des
IFT bestätigt.
Aussagen über den Zeitpunkt der Erstinfektion oder die Dauer der Infektion
waren nicht möglich, da alle für Infektion mit Ehrlichien verdächtigen Hunde
eine mehr oder weniger umfangreiche Vorgeschichte hatten, die an eine
zeckenübertragene Infektion denken ließen. Mit Ausnahme eines aus Polen
importierten Mischlings hatte jedoch keiner der Hunde einen Aufenthalt
außerhalb der Grenzen Deutschlands. Die Infektionen müssen daher als
autochthon angesehen werden.
Therapie der Ehrlichiosen (CME und CGE)
Für
die Therapie von durch Zecken übertragenen Rickettsien bieten sich als
Mittel der Wahl die neueren Tetracycline an (1). Diese sind auf Grund ihrer
guten Lipoidlöslichkeit und hoher Gewebegängigkeit in der Lage auf die
intrazellulär liegenden Rickettsien in starkem Maße bakteriostatisch zu
wirken. Als besonders geeignet erwies sich das Doxycyclin. Mit Penicillinen
wurden keine Erfolge erzielt. Mit gutem Erfolg wurden sowohl bei der
Therapie der CMO als auch der CGE klassische Tetracycline 3x täglich 22
mg/kg für 14 Tage oder besser Doxycyclin in der Dosis von 10 mg/kg (max. 25
mg/kg) einmal täglich über 10 Tage angewendet. Nach unseren bisherigen
Erfahrungen war das für die Humanmedizin zugelassene Doxycyclin dem
Veterinärpräparat überlegen. Das Antibioticum kann auch oral appliziert
werden. Eine anfängliche Injektion während der ersten 3 Tage kann empfohlen
werden. Nach Therapie mit Tetra- (bzw. Doxy-) cyclin wurden die Patienten
frei von den Parasiten.
Ko-Infektionen
Ko-Infektionen bei zeckenübertragenen Infektionen sind nicht selten. Die
gleichen Zeckenarten können mehrere Pathogene beherbergen. In Ixodes ricinus
wurden so simultane Infektionen mit Borrelia burgdorferi s.l. und Ehrlichia
spec. nachgewiesen. Ob der eine oder andere Erreger auch beim Stich der
Zecke auf den empfänglichen Wirt übertragen wird hängt von vielen Faktoren,
vor allem der Entwicklungszeit der Pathogene in der Zecke ( z.B. Befall der
Speicheldrüsen) ab.
Glücklicherweise (oder je nachdem auch unglücklicherweise) sind die für die
Therapie geeigneten Tetracycline sowohl gegen Borrelien als auch gegen
Rickettsien (Ehrlichien) sehr wirksam. Hierdurch entziehen sich
möglicherweise viele Infektionen der ätiologisch genauen Diagnose.
Eine ähnliche Situation findet sich bei der Diagnose der Babesiose (Babesia
canis vogeli) und der Caninen Monozytären Ehrlichiose. Beide Pathogene
werden durch die gleiche Zeckenart Rhipicephalus sanguineus übertragen. Sie
kommen im gleichen geographischen Raum und bei dem gleichen Wirt, dem
Haushund, vor. In akuten Fällen sollte die Babesieninfektion durch den
mikroskopischen Nachweis der Erreger in den Erythrozyten und
charakteristische Symptome ( wie Hämoglobinurie) abtrennbar sein. Zumindest
Im Früstadium, bei latenten Infektionen und bei chronischen Verlaufsformen,
bei denen nur sehr wenige Pathogene im Blutausstrich zu finden sind, kann
bei beiden Infektionen die Diagnose nur mit molekularbiologischen Methoden
gesichert (PCR, IFT) werden. Als Hinweis auf die Häufigkeit von
Ko-Infektionen mit Babesien und Rickettsien (Ehrlichien) können die in
Publikationen anzutreffenden Therapieempfehlungen bei der Therapie der
Babesiose mit Imidazol und zusätzlichen Gaben von Tetracycli nen angesehen
werden.
Infektionsprophylaxe durch Zeckenabwehr
Die
Infektionsprophylaxe gegenüber der Ehrlichiose ist leider bisher als Impfung
oder mit spezifischer Chemoprophylaxe nicht möglich. Die vorbeugenden
Maßnahmen müssen sich daher auf den Schutz vor Zeckenbefall konzentrieren.
Hierbei sind die für die Anwendung beim Menschen entwickelten und
eingesetzten Präparate (z.B. DEET, BAYREPEL, AUTAN®) jedoch bei Tieren kaum
anwendbar oder die Formulierungen ungeeignet (7).
Der beste bisher bekannte Wirkstoff, der gegen verschiedene Arten von
Arthropoden repellierend wirkt, ist das Permethrin. Dieses synthetische
Pyrethroid wirkt in der Abhängigkeit von Dosis und Zeit repellierend und
darüber hinaus als Insektizid. In eigenen Untersuchungen bei der Zulassung
und Einführung des Permethrin in Deutschland in der Mitte der 80er Jahre (
Wellcare Spray, Wellcare Emulsion und Exspot® durch die Welcome GmbH , jetzt
ESSEX TIERARZNEI, München) wurde die Wirksamkeit gegen Zecken (I. ricinus,
R. sanguineus ), Flöhe, Stechmücken, Gnitzen, Fliegen und Bremsen im
Laboratorium und in der Praxis nachgewiesen. Die repellierende Wirkung geht
nach der topikalen Applikation der insektiziden Wirkung zeitlich voraus. Die
Repellenswirkung ist bei der 65% igen Konzentration im Präparat EXSPOT
besonders gut gegen Zecken.
Flöhe und Dipteren werden im Sinne eines "hot feed" Effektes über die Sin
neszellen an den Tarsen in nervöse Erregungszustände versetzt und sterben ab
ehe sie stechen können. Ähnlich ist die Entfaltung der repellierenden
Wirkung gegenüber von Zecken, die bei Zecken über das Hallersche Organ am
ersten Beinpaar und die Pedipalpen erfolgt. Bei Zecken tritt die
Abhängigkeit von der auf dem Fell verfügbaren Wirkstoffmenge besonders
deutlich hervor. Mit durch Permethrin haltigen Bädern wird die größere
Wirkstoffmenge in das Fell verbracht. Gewaschene Hunde sind am besten und
längsten geschützt. Die pour-on Formulierungen sind leichter und einfacher
zu applizieren Sie erbringen ebenfalls eine gute bis sehr gute Wirksamkeit.
Man sollte jedoch bedenken, daß die regelmäßigen Wiederholungen der
Behandlungen für eine gute Zeckenprophylaxe vor allem in endemischen
Gebieten genau eingehalten werden, da die bei der Pour-on-Applikation
aufgebrachten Wirkstoffmengen relativ geringer sind.
Anschrift der Autoren
Dr. Gabriele. Liebisch
ZeckLab, Laboratorium für klinische Diagnostik und Prüfung
Tabelle 1: Beim Hund vorkommende Rickettsien, Rickettsiosen, Vektoren und
deren geographische Verbreitung
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Tabelle 1
|
Erreger |
Krankheit |
Vektoren |
Verbreitung |
|
Ehrlichia canis |
Canine monozytäre Ehrlichiose |
Rhipicephalus sanguineus |
weltweit; tropisch/gemäßigt |
|
E. chaffensis |
Canine monozytäre Ehrlichiose |
Amblyomma americanum |
südl. USA, Zentral- u. |
|
E. ewingii |
Canine granulozytäre Ehrlichiose |
A. americanum |
Südamerika |
|
Anaplasma phagozytophilum |
Canine granulozytäre Ehrlichiose |
Ixodes spp. |
weltweit |
|
Anaplasma platys |
Zyklische canine Thrombozytopenie |
unbekannt |
Südl. U S A, Europa, Südamerika, Japan |
|
Rickettsia rickettsii |
Rocky Mountain spotted fever |
Dermacentor variabilis,
D. andersoni |
Nordamerika |
|
Rickettsia slovaca |
Pathogenität ? |
Dermacentor marginatus |
Europa |
|
Coxiella burnetii |
Q-Fieber |
Dermacentor marginatus |
Europa |
|